21 March – 21 June 2016 in Florence, Rome, Naples, Palermo, Padua

Die Totale Sonnenfinsterniß am 22 December 1870

An der von Lord Lindsay zur Beobachtung dieser Sonnenfinsternis; organisirten Expedition nahmen Theil: Lieut. Alex. B. Brown. C. Beder. Henry Davis und 3 Assistenten. Am 4. Dezember kam man in Cadix an, als Station war gewählt: Maria Louisa. zwischen Puerta St. Maria und San Lucar in einem Weingarten des englischen Consuls gelegen.
Die Instrumente, die zur Beobachtung dienen sollten, waren 1) ein 12¼ zolliger Reflector mit versilbertem Glasspiegel und parallattisch montirt; dieses Teleskop stand in einem Hause, das man aus England mitgebracht hatte, ein dunkler Raum war in demselben angebracht, um Photographien aufzunehmen. Das Gebände hatte 20 Fuß Länge und 11 Fuß Breite.
Das zweite Instrument war ein 6zölliger Equatoreal von Traughton und Simms, mit demselben war ein Spektroskop von Brown verbunven, welches mit einem einfachen Prisma von 60° versehen war. Das Spektroskop war Lieut. Brown anvertraut. Außerdem war ein Transitinstrument, 3 Chronometer und alle ordentlichen Hilfsmittel und kleinere Fernröhre zur Hand.

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La stazione osservativa di Lord Lindsay a Xerez de la Frontiera. A sinistra, seduto, il fotografo Henry Davis e, seduto ai piedi del telescopio, James Ludovic Lindsay.

Am Morgen des 22. Dezember war gegen 8 Uhr der Himmel sehr bedeckt, jedoch lichtele sich kurz vor Beginn der Finsternis; der Himmel, so daß man die Zeit der ersten Berührung genau bestimmen konnte. Um 8 Uhr hatte sich die Beihilfe noch um 6 Beobachter vermehrt. Dieselben halfen theils bei der Beobachtung des Spektroskopes, theils bei der Zeitbestimmung und bei der Zeichnung der Corona.
Während der Zeit, daß die Sonnenfinsterniß sichtbar war, wurden 19 Photographien gewonnen, von denen 9 auf die Totalität kommen. 28 Sekunden war die Zeit der längsten Aussetzung. 4 Sekunden die Dauer der kürzesten. Die Protuberanzen sind in Menge getreulich wiedergegeben, auch die Corona und die sogenannten Rosenkranzkörner.
Lord Lindsay hatte schon mehrmals eine Sonnenfinsterniß mit durchgemacht, so daß er genau
die Aufgabe kannte und ungefähr die Anzahl der Platten bestimmen konnte, die man in der genau abgemessenen Zeit in der camera obscura zur Aussetzung bringen konnte. Er hatte darauf gerechnet, 10 bis 12 Platten in 2 M. 10 Sek. aussetzen zu können, was jedoch nicht gelang.
Die erste Berührung fand statt um 22h 50m 3° und die totale Finsternis; endete um 0 Uhr 17 Minuten 0,5 Sekunden.
Unmittelbar nach der Totalität wurden die Augenblicksbilder, die man während der Totalität entfernt hatte, wieder aufgenommen, aber es kam ein Regenwetter und man bekam den ganzen Tag über leinen Sonnenstrahl mehr zu sehen.
Bier Herren war es gelungen, Skizzen der Corona und einiger Protuberanzen zu erhalten.
Um 11h 4m war der Himmel purpurroth gefärbt, der Erbboden rothbraun, alles Grün erschien in stärkerer und intensiver Farbe. 5 Minuten später kam eine seltsame Farbe über die Landschaft, dunkel und doch bestimmt; das Antlitz der umherstehenden Personen war fahl.
Lieut. Brown hatte auf dem Observatorium Maria Louisa in den Tagen des 9.-23. December fortwährend Beobachtungen der Sonnenflecken angestellt und Zeichnungen derselben angefertigt, ebenso thermometrische und barometrische Beobachtungen. Die Zeichnung der Sonnenstecken gelangen am besten am 13., 18., 21. und 22. December.
Um 20h 24m schien die Sonne einige Minuten. Der Wind ließ nach und kam etwas nach Süden herum, so daß man sich der Ahnung eines schönen Tages erfreute.
Sobald die Erscheinung der Sonne Gelegenheit dazu gab, wurden die Flecken sorgfältig auf der Karte verzeichnet und bis zu der Zeit corrigirt, wo die größten derselben vom Rande verdeckt wurden. Ungefähr ¼ Stunde vor der eisten Berührung wurde ein bedeutender Wechsel zum bessern in dem Wetter sichtbar.
Die Dunkelheit des Mondes war bei der ersten Berührung der des umgebenden Himmels gleich; man konnte leinen Unterschied bemerken. Einige Zeit später war der ausgezackte Umriß des Mondes auf der Sonne deutlich markirt. Bei der Bedeckung der Sonnenflecken erschien der Mond dunkler, als irgend ein Theil der Flecken, die sichtbar waren. Jetzt wurde das Spektroskop zurecht gemacht und möglichst genau die Stellen der Sonnenlinien C, D, E, B, F, G, H notirt und zwar über und unter den Stellen, welche für die Corona und Protuberanzen bestimmt waren. Ungefähr 10 Minuten vor der Totalität suchte man vergebens die Protuberanzen, die bald nachher so hell erschienen. Dies rührte wahrscheinlich von dem Nebelschleier her, der die Sonne damals mehr oder weniger bedeckte; dieser Nebel zog jedoch während der letzten 10 Minuten vor der Totalität vorüber.
Das außerordentlich schnelle Verschwinden der dünnen, glänzenden Sonnensichel in dem Spalt des Spektroskopes, der jetzt beinahe dunkel erschien, zeigte an, daß der erwartete Ausgenblick eingetreten war. Die Zeit war 0h 14m 5′. Lord Lindsay wies seine Assistenten an, die Kreuzfäden des Suchers auf einen Theil der Corona zu lichten, der 8 bis 9′ von dem Rande der verdunkelten Sonne entfernt war. Man erhielt auf einmal ein continuirliches Spektrum gleicher Intensität dem des Mondes vor seinem Eintritt in das letzte Viertel, frei von irgend welchen hellen oder dunklen Linien. Man bemühte sich dann, das Licht theilweise abzuschließen, indem man die Oeffnung des Fernrohres verkleinerte, wobei das Spektrum verschwand und kleine Linien austraten. Die Oeffnung wurde bann mehr als zuvor vergrößert, wobei jedoch leine beträchtliche Veränderung in der Farbe und dem Glänze des Spektrums bemerkt wurde, aber noch immer leine Linien. Ueberhaupt suchte Lord Lindsay vergeblich nach der Linie 1474 und andere, deren Stellung er vorher sorgfältig bestimmt hatte.

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Fotografia della corona durante l’eclisse di Sole del 1870 realizzare a Siracusa da Brothers & Fryer

Einige Tage vorher Halle Lord Lindsay. Dank der Güte des Prof. Young, besonders die berühmte amerikanische Linie in Xerez beobachtet. Sein Spektroskop dagegen gab leine Andeutung von irgend welchen hellen Linien in diesem glänzenden Theile, den er für die wahre Corona hält und welche eine unregelmäßige Curve um den glänzenden Theil, der die Chromosphäre umgiebt, bildete. Dieses konnte seinen Grund haben in der Thatsache, daß keine zu bemerken waren, oder daß die ungünstigen atmosphärischen Bedingungen ihn nicht in den Stand setzen, irgend welche Linien mit seinem schwach zerstreuenden Instrumente zu entdecken.
Die Theile der Corona, die er untersuchte, hatten 4 ½, 7, 12, 20 und 25′ Entfernung von dem Rande; er vermied sorgfältig irgend eine Möglichkeit von Irrthum durch Vermischung der achromatischen Chromosphäre und der Protuberanzen in seiner Untersuchung der Corona. Einige 10-15 Sekunden blickte er auf den dunkeln Kreis, der von der glänzenden Corona umgeben war. und dann fielen ihm drei Protuberanzen auf, welche sich ihm unter mehreren an dem Sonnenrande darboten und von denen eine zungenförmig war. Die Mitbeobachter, die sich theils des Teleskopes, theils der freien Augen bedienten, fanden die Protuberanzen an derselben Stelle und von derselben Form.
Die Corona war theilweise im Umfange unregelmäßig, indem sie sich mehr oder weniger von der Sonne entfernte, theils war sie concentrisch mit der Sonne. Sie hatte die Farbe und das Aussehen von Perlen mit einem hellen phosphorescirenden Schein, durchaus gleichförmig und dicht, während ein anderer Theil eine schwachviolette Farbe hatte, stellenweise gefärbt mit schwachem Grün und schwachem gelblichen Roth, und mit der Entfernung von der Sonne an Helligkeit abnehmend. Ferner war sie im Umfange etwas gezackt und hatte Höhlungen in sich, auch konnten schwache Streisungen darin gesehen werden. Der innere Theil war ganz verschieden. Lindsay hält ihn für eine achromatische Chromosphäre, umringend die reguläre Chromosphäre und von der Corona trennend. Er schlägt für diesen Theil den Namen Leutosphäre im Gegensatz zu Chromosphäre und Corona vor. Der innere Theil hat seiner Ansicht nach mehr Antheil an dem Charakter der Chromosphäre als der Corona; die letztere hält er zur Sonne gehörig, während die Verschiedenheit in Farben und die schwachen Strahlenausläufer theilweise herrühren mögen von dem Durchgange des Lichtes weniger leuchtender Theile durch unsere Atmosphiire.
Von den Protuberanzen waren viele hellroth und konnten leicht mit freiem Auge gesehen werden, während andere blaßroth waren und mehr oder weniger gefärbt mit violett an den oberen Enden. Die größte höhe der Protuberanzen schien 2 ¼’ zu sein, sie war gekrümmt und nahe an der Spitze weniger roth gefärbt mit lebendig violettem Saume; die Höhe wurde auf 55000 engl. Meilen geschätzt.
Die Totalität war nahe zu Ende und als eine seine Lichtsichel das Spektrum erleuchtete und sich die dunkeln Sonnenlinien deutlich zeigten, war die Totalität wirklich zu Ende um 0h 17m 0,5°, so daß die Dauer der Totalität demnach 2m 8s betragen hat.
Man gebrauchte leine Lampen um schreiben oder lesen zu können, das Licht war hinreichend, einige der höchsten Wollen bei ungefähr 3 oder mehr Grad Entfernung vom Monde er» schienen mehr durch das Licht der Corona, die Leutosphare und die Protuberanzen erleuchtet zu sein als an anderen Stellen. Gleich nachdem die Totalität vorüber war, bedeckte eine Wolle die Sonne, die man am Tage auch nicht wieder zu sehen bekam und am Nachm. brauste ein fürchterlicher Sturm mit Regen durchs Land, so daß die Veranda überschwemmt wurde. Die Elemente schienen zu sagen: wir haben uns bis jetzt zu eurem Vergnügen und für den
Erfolg eurer Beobachtungen im Zaume gehalten, und jetzt, da diese zur Zufriedenheit ausgefallen sind, wollen wir freies Spiel für unsere unterdrückte Energie haben.
Man suchte zu prüfen, ob in gewissen Entfernungen östlich und westlich von der Sonne die Polarisation des blauen himmelslichtes während der Totalität eine andere sei, wie an gewöhnlichen heiteren Tagen. Der theilweise von Wollen bedeckte Himmel zwang dazu, die Corona selbst mit dem Polarimeter zu prüfen. Kurz vor und kurz nach der Totalität, als die feine noch sichtbare Sonnensichel das Auge nicht mehr empfindlich berührte, entdeckte man nicht eine Spur von Polarisation, sowie die Totalität eintrat hingegen so starke Bänder, daß das Instrument dieselben in der Intensität nicht messen konnte. Bei einer Steigerung von 23° nach Westen verschwanden dieselben gänzlich.
Protuberanzen wurden an drei verschiedenen Stellen sowohl in Form von Wollen. wie in Gestalt von Hörnern und großen Vorspringen beobachtet. Gerade vor der Totalität hatte der ganze Himmel ein lehmiges Ansehen. Zur Zeit der Totalität erschienen die blauen Streifen am Himmel tief purpurroth. stark contrastirend mit dem Braun der Wollen, das nördliche Ende der Sonnensichel schien, kurz bevor diese vom Monde bedeckt wurde, wie eine Reihe von Perlen.

Aus der Natur, 1871, vol 56, n. 20

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