Dal 21 marzo al 21 giugno 2016 a Firenze, Roma, Napoli, Palermo, Padova

Die totale Sonnenfinsterniß am 22. December 1870

Der Schluß des Jahres 1870 bringt uns noch eine der bedeutenderen Finsternisse dieses Jahrhunderts. Sie erreicht in Bezug aus Größe jene vom 28. Juli 1851 und bleibt nur wenig hinter der ringförmigen vom 6. März 1867 zurück. Die Sonnenfinsterniß vom 18. Juli 1860 wird von der heurigen in unseren Gegenden bedeutend übertroffen. Dieses Jahrhundert wird nur mehr Eine Erscheinung dieses Ranges bringen, wo der Gürtel der Totalität am 19. August 1867 über Norddeutschland streichen wird.
Bei unserer Finsterniß zieht die Zone des Kernschattens des Mondes fast so nahe an den Grenzen des österreichischen Staates hin und fast in derselben Richtung wie am 6, März 1867. Die Centrallinie der Totalitäts-Zone geht in einem Bogen, welcher seine Concavität uns zuwendet, über folgende Fixpunkte: Lagos in Portugal, Xeres bei Cadix, Marbella (zwischen Gibraltar und Malaga), Oran in Algerien, Susa in Tunis, Mitte zwischen Catania und Syrakus, Urta in Epirus, Larissa, Mündung der Maritza, Wisa in Rumili, Krim. Die Breite dieser Zone ist in Spanien und Algerien am größten, 20 geographische Meilen, in Thessalien 17½, Meilen, und es dauert die Tolität der Verfinsterung dort über 2 Minuten, in Thessalien aber nur mehr 13/4 Minuten. Weiter von der Centrallinie entfernt verkürzt sich die Dauer der Totalität, und an den Grenzen der Zone beträgt sie nur einen Augenblick.
Außerhalb dieses Gürtels ist die Verfinsterung nur partial und um so geringer, je weiter man von demselben entfernt sich befindet.
Der Grad der Verfinsterung wird nach Zollen angegeben, wobei man der Sonnendurchmesser mit 12 Zoll annimmt. So wird eine 11zöllige Verfinsterung diejenige sein, bei welcher des Sonnendurchmessers vom Monde bedeckt und noch frei ist.
Es ist sehr instructiv, sich auf einer Karte von Europa die Linien der verschiedenen Grade der Verfinsterung zu verzeichnen, und man bekommt dadurch eine sehr anschauliche Vorstellung des ganzen Verlaufes einer solchen Naturerscheinung.
Elfzöllig ist die Verfinsterung in-einer Bogenlinie, die furirt werden kann durch folgende Punkte: Oviedo, Logrono. Monserat bei Barcelona in Spanien, dann (zwei geographische Meilen nördlich von) Ajaccio auf Corsica, Orvieto, Fermo in Italien, Sebenico, dann (drei Meilen nördlich von) Semlin, Karlsburg, Mohilew. Kiew.
Zehnzöllig ist sie in der Bogenlinie: Plymouth, Cherbourg, (zwei Meilen nördlich von) Paris, Chalons-sur-Marne, Karlsruhe, Nürnberg, Melnik, Liegnitz, Kowno.
Diese zwei Linien mögen genügen, man kann mittelst derselben die Größe der Verfinsterung für jeden Punkt in ganz Deutschland und Oesterreich bestimmen. So findet man z. B. durch Halbirung des Abstandes dieser beiden Linien, daß die Verfinsterung 10½ zölling ist für Klagenfurt, Graz, Komorn. Für Wien ergibt sie sich mit 104/10 Zoll u.
Ebenso kann man die Zeit des Ein- und Austrittes und der Mitte auf folgende einfache Weise leicht ermitteln. Man verzeichne sich die Linien des gleichzeitigen Verlaufes von Stunde Zu Stunde für die Mitte der Erscheinung in mittlerer Ortszeit.
So ist die Mitte der Verfinsterung um 12 Uhr Mittags für alle Orte im Meridian von Gibraltar.
Um 1 Uhr in der Linie: 2 geographische Meilen westlich von Marseille nach Aachen: Mitte um 2 Uhr in der geraden Linie Malta, Agram, Gnesen. Mitte um 3 Uhr Nachmittags in einer Linie durch den Ostrand von Lemnos nach einem Punkte 3 geographische Meilen westlich von Jassy.
Diese Linien geben die Zeit der Mitte der Finsterniß in derjenigen Zeit an, welche, an jedem beliebigen Orte von einer gut gehenden Uhr gezeigt wird.
Um für Orte, welche nicht in diesen angegebenen Linien liegen, die Zeit der Mitte Zu finden, ist es nur nöthig, das Verhältniß der Entfernung der beiden zunächstliegenden Linien von dem fraglichen Orte zu ermitteln, so liegt Wien nur um eine sehr kleine Größe westlich von der Zwei-Uhr-Linie; für Wien tritt also die Mitte um 1 Uhr 59 Minuten ein. Oder für Prag: dieses liegt etwas mehr als drei Viertheile von der Ein-Uhr-Linie und ein Viertheil von der Zwei-Uhr-Linie entfernt, folglich ist für Prag die Mitte um 1 Uhr 46 Minuten.
Da aber für ganz Oesterreich und Süddeutschland der ganze Verlaus der Erscheinung im Mittel 2 Stunden 35 Minuten beträgt, so wird man nur die Hälfte hievon, also 1 Stunde 17 Minuten von dem gefundenen Werthe der Mitte abziehen, um den Anfang, und hinzuzählen, um das Ende zu erfahren. Der Fehler wird kaum mehr als eine Minute betragen.
Nach den vom herrn Professor E. Weiß an der Wiener Sternwarte mit strengster Genauigkeit durchgeführten Rechnungen treten für Wien die Hauptpunkte in folgenden Zeiten ein: Anfang: Mittags 12h 40’4m, größte Verfinsterung: 101/3 Zoll, 1h 59’1m, Ende: 3h 13’6m mittlere Wiener Zeit.
Noch ist es interessant, die vier Grenzpfähle dieser Finsterniß kennen zu lernen. In der Totalitätszone beginnt der Anfang an der Westseite, die Sonne geht in dem Augenblicke auf, wo der Mond vor die Sonnenscheibe zu treten beginnt, einige Meilen nordwestlich davon geht die Sonne im Augenblicke der totalen Verfinsterung auf. Dieser Punkt liegt im atlantischen Ocean, nordöstlich von Neufundland.
Das Ende der Finsterniß tritt an der Ostseite ein, die Sonne geht total verfinstert unter, etwas südwestlich davon geht die Sonne in dem Augenblicke unter, in welchem sie von der Mondscheibe verlassen wird. Dieser Punkt liegt nördlich vom kaspischen Meere.
Obwol die Sonne vom Aufgang bis zum Untergang sich total verfinstert zeigt, selbstverständlich an sehr verschiedenen Orten der Erde, so dauert doch dieser Vorgang nur 1 Stunde 43 Minuten.
An einem anderen Punkte beginnt aber die Finsterniß schon früher als in der Totalitätszone, und an einem anderen hört sie später auf, als oben gesagt wurde. Diese beiden Punkte liegen südlich von der Totalitätszone und finden statt um 11h 20m Morgens wahre Wiener Zeit und um 3h 48m Abends, während die totale Verfinsterung um 12h 40m Mittags beginnt und um 2h 28m Nachmittags endet.
Als südlichsten Grenzpunkt der Finsterniß müssen wir denjenigen ansehen, wo der Mond im Süden die Sonnenscheibe eben noch streift; dieser liegt diesmal an der Küste von Loango im Afrika.
Besonders beachtenswerth ist der nördliche Grenzpunkt. Der Halbschatten des Mondes geht über die Erdkugel nördlich hinaus. Aber weil die Sonnenstrahlen den nördlichen Polarkreis am 22, December, als dem kürzesten Tage, eben streifen, die Sonne daher nur am Mittage auf wenige Minuten mit ihrer nördlichen Hälfte über dem Horizont bleibt, so wird sie an einem gewissen Punkte dieses arktischen Polarkreises zu 9 Zoll verfinstert sich aus kurze Zeit zeigen. Dieser Punkt liegt an der Westküste Norwegens.
Es sei erlaubt, noch auf ein kleines Experiment aufmerksam zu machen, welches recht nett ist. Wenn man nämlich in einem Blatte Papier eine etwa ¼ Zoll große, wenn auch unregelmäßige Oeffnung macht und den Schatten desselben aus einer weißen Wand auffängt, so verursachen die durch die Oeffnung gehenden Sonnenstrahlen ein zierliches, rundes Sonnenbildchen, welches nun alle Stadien der Verfinsterung in Barbierschüssel- oder Sichelform mit durchmacht. Dasselbe zeigt sich, wenn man den Schatten eines reichbeblätterten Strauches betrachtet; nur zeigen sich hier unzählige Sonnenficheln, die sich gegenseitig theilweise decken. Auch genügt es, die nicht ganz geschlossen Finger der beiden Hände Zu kreuzen und deren Schatten aufzufangen.
Schließlich erübrigt mir nur noch, der österreichischen Expedition, die behufs der Beobachtung der Totalität dieser Finsterniß nach Afrika entsendet wurde, sowie allen Freunden der Naturforschung recht schönes Wetter zu wünschen!

Gustav Hannimann.

Neue Freie Presse, 1870, vol. 8, n. 2269

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