21 March – 21 June 2016 in Florence, Rome, Naples, Palermo, Padua

Die Sonnenfinsterniß am 22. Dezember

Tagesneuigkeiten.

(Die Sonnenfinsterniß am 22. Dezember.)

Die morgen eintretende Sonnenfinsterniß erreicht auch in unseren Gegenden eine so beträchtliche Größe, wie es lauge Jahre nicht wieder und in, Laufe dieses Jahrhunderts überhaupt nur noch einmal, nämlich in den Vormittagsstunden des 19. August 1887, der Fall sein wird. Die central-totale Finsterniß beginnt diesmal im atlantischen Ozean, etwa 250 Seemeilen südlich vom Cap Farewell in Grönland, an welchem Punkts die Sonne eben verfinstert aufgeht. Dies geschieht um 12 Uhr 21 Min. nach der Eisenbahn-Uhr, nach welcher auch die folgenden Zeitangaben zu verstehen sind. Der Schattenkegel durcheilt dann den atlantischen Ocean von N.-W. gegen S.-O., streift nördlich an den Azoren vorüber und trifft kurz nach 1 Uhr an der Küste von Portugal ein, dessen südlichste Provinz Algarbien und hieraus die Südspitze Spaniens er durchschneidet. Die Städte Cadix, Gibraltar, Malaga in Spanien, sowie Ceuta und Melila in Africa liegen innerhalb der Zone der Totalität, Sevilla und Granada an ihrer nördlichen Grenze. Im weiteren Laufe gelangt das Centrum des Schattens an die Küste von Algier und durchzieht die Region der Seen und weiterhin das Gebiet von Tunis. Die Städte Oran, Maskara und Susa liegen in der Curve der centralen Finsterniß, Algier und Tunis selbst bleiben etwas nördlich von dem Gürtel der Totalität. Nachdem die Curve der Centralität den Boden von Africa im Golfe von Hamamat verlassen hat, läuft sie zwischen den Inseln Pantellaria und Malta, von denen die erstere noch eine totale Finsterniß hat, die zweite schon an der südlichen Grenze liegt, nach Sizilien, wo sie gegen 1 Uhr 56 M. anlangt. Zieht man von Girgenti bis zum Aetna eine gerade Linie, so bildet diese die nördliche Grenze der Totalität. Alles, was südlich davon liegt, hat eine totale Verfinsterung. Das italienische Festland wird – den südlichen- Punkt Calabriens abgerechnet – nirgends vom Kernschatten getroffen; nur die Stadt Regio liegt fast genau an der nördlichen Grenze der Totalität. Die Curve zieht dann weiter über da« jonische Meer mid bedeckt von den Inseln gleichen Namens nur St Maura ganz. Nach dem Golfe von Arta, wo sie um 2 Uhr 7 M. eintrifft, passirt sie das südliche Epirus und Thessalien, durchschneidet dann die chalcidische Halbinsel, welche, sowie die Insel Thasos, ganz innerhalb der Zone der Totalität liegen, während die Stadt Saloniki genau ihre nördliche Grenze berührt. Weiterhin liegt Adrianopel noch in dieser Zone, aber nicht mehr Constantinopel, für welches ein kleiner Streifen der südlichen Sonnenscheibe schon unbedeckt bleibt. Ins schwarze Meer gelangt die Schattenaxe um 2 Uhr 15 M., verfinstert dann die südliche Krim und das Azowische Meer, um im Gebiete der donischen Kosaken um 2 Uhr 19 M. damit zu endigen, daß die Sonne verfinstert unter den Horizont der Steppen sinkt. Der ganze Weg, den der Schattenkegel des Mondes in 1 Stunde und 48 Minuten zurücklegt, beträgt beiläufig 1100 geographische Meilen. Doch ist seine Geschwindigkeit aus dieser Strecke eine sehr verschiedene. Während er nämlich auf seinem Wege durch das mittelländische Meer in der Minute 9-10 geographische Meilen zurücklegt, beträgt seine Geschwindigkeit zu Anfang und zu Ende der allgemeinen Finsterniß mehr als das Dreifache. Der Durchschnitt des Schattenkegels, d. h. die Breite des auf der Oberfläche der Erde total verfinsterten Gürtels erreicht in Spanien und Afrika 24-25 geographische Meilen, wird aber weiterhin beträchtlich kleiner. Die Dauer der Verfinsterung hingegen für einen in der centralen Curve gelegenen Ort umfaßt in Spanien und Africa einige Secunden mehr, in Sizilien schon einige weniger als zwei Minuten und wird später noch kürzer, so daß die Finsterniß keineswegs zu der durch ihre Dauer ausgezeichneten und für wissenschaftliche Betrachtungen besonders geeigneten gehört. In Europa werden die drei großen südlichen Halbinseln am tiefsten in den Halbschatten eintauchen.

Klagenfurter Zeitung, 1870, n. 290

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